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Hören Sie mir zu, Schwester


Ich war hungrig und konnte nicht ohne Hilfe essen,

Sie stellten mein Tablett außer Reichweite auf einen Bettisch.

Dann diskutierten Sie in einer Pflegebesprechung

über die Erfordernisse meiner Ernährung.

-

Ich war durstig und hilflos.

Sie aber vergaßen, dafür zu sorgen, dass meine

Wasserkaraffe frisch gefüllt wurde.

Später vermerkten Sie im Bericht, dass ich zu trinken abgelehnt hätte.

-

Ich war einsam und fürchtete mich.

Sie aber ließen mich allein, weil ich so kooperativ war

und niemals um etwas bat.

-

Ich war, was man ein Pflegeproblem nennt, und

Sie diskutierten die theoretischen Grundlagen meiner Erkrankung.

Und doch sahen Sie mich eigentlich gar nicht.

-

Man glaubte, ich liege im Sterben, und da Sie meinten,

ich könnte nichts mehr hören, sagten Sie,

Sie hofften, ich würde nicht sterben, bevor Sie Ihr Tagewerk beendet hätten,

da Sie vor Ihrer Verabredung am Abend noch zum

Schönheitssalon müßten.

-

Sie scheinen so gut ausgebildet, so redegewandt und

so überaus sauber in Ihrer flecken- und faltenlosen Tracht.

Und wenn ich spreche, scheinen Sie hinzuhören,

aber Sie hören mich nicht.

Helfen Sie mir, sorgen Sie sich um das, was mir geschieht.

-

Ich bin so müde, so einsam und fürchte mich so sehr.

Sprechen Sie zu mir - seien Sie mir nah - nehmen Sie meine Hand.

Lassen Sie das, was mir geschieht, auch Ihr Anliegen sein.

-

Bitte, Schwester, hören Sie mir zu!

17.4.08 01:40
 


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